Wahlkampf wie er singt und lacht


In Mainz regiert seit dem Frühjahr 2016 die Ampel. Das hat Seltenheitswert in einem Bundesland, das solche Überväter wie Helmut Kohl und Kurt Beck hervorgebracht hat und lange ein Dreiparteiensystem war. Die starke SPD muss sich die Regierung mit den Grünen und der FDP teilen. Die Ursachen liegen in einem sehr ungewöhnlichen und teuren Wahlkampf im März 2016. Allein die SPD brach mit 1,7 – 1,9 Millionen Euro ihren vorläufigen Ausgabenrekord.

Im Spätherbst 2015 sah es in den Umfragen danach aus, dass die christdemokratische Herausforderin Julia Klöckner die regierende sozialdemokratische Ministerpräsidentin Malu Dreyer entthronen würde. Der Zweikampf der beiden Damen spitzte sich weiter zu, je stärker der Fokus auf die Flüchtlingskrise gelegt wurde. Schnell kam es zu einem Kuriosum, das die Sozialdemokratin Malu Dreyer zur treuen Anhängerin der christdemokratischen Kanzlerin mutierte. Die CDU Kandidatin kritisierte dagegen offen die Willkommenspolitik der Regierung. Für diesen Zweikampf haben beide Damen ihre Kriegskasse deutlich aufgestockt. Die SPD in Rheinland-Pfalz gab für diesen Wahlkampf die Rekordsumme von rund 1,8 Millionen Euro aus. Dieser Etat erlaubte die Beauftragung der Erfolgsagentur Butter aus Berlin, einiger Demoskopieinstitute und externer Politikberater. Das mühselige Plakatekleben und Flyerverteilen wurde an externe geoutsourced. Die rheinländische SPD setzte alles auf den Tür-zu-Tür-Wahlkampf und die Wirkung ihrer Kandidatin.

Die CDU hat ein eigenes Wahlkampfteam engagiert. So gab es keine externen Expertisen. Lediglich die Agentur „Gorilla XL“ sollte die Senioren aktivieren, wie sie es bereits 2013 in Hessen für die CDU erfolgreich gemacht hat. 

Die Grünen haben eine Werbeagentur aus der Region, d.h. aus Mainz beauftragt und intensiv über die Sozialen Netzwerke kommuniziert. Die FDP setzte auf die Berliner Agentur Heimat bei der Betreuung ihres Landtagswahlkampfes. Die Linke wurde bei dem Wahlkampf von der Berliner Agentur DIG/Trialon unterstützt. Die AfD gab keine Informationen zu ihren Werbeagenturen heraus.

Wahlentscheidend war die starke Wählerabwanderung bei den Grünen. Rund 1/3 der Grünenwähler von 2011, wähle 2016 die SPD und bescherte Malu Dreyer den Sieg. 

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