Im Schatten der Burg



Man könnte meinen in Polen gibt es genug Burgen und Schlösser. Weit gefehlt! Etwa 50 Kilometer nördlich von Poznan in dem kleinen Ort Stobnica und inmitten eines Naturschutzgebietes entsteht gerade ein regelrechter Burgriese. Der Bau soll 14 Stockwerke haben und größer werden als die Ordenburg in Marienburg. 


Der Bau entwickelt sich zu einem riesigen Skandal. Der Bauherr und Inhaber ist das Unternehmen D.J.T.  aus Poznan. Die Hauptgesellschafter des Unternehmens sind die Familienmitglieder Nowak; Vater Pawel Nowak und die Söhne  Dymitr und Tymoteusz Nowak.  Die Familie besitzt noch weitere fünf Unternehmen und scheint sehr gut vernetzt zu sein. 


Die guten Beziehungen der Familie halfen auch bei der Baugenehmigung. Die fachliche Expertise wurde von der örtlichen Hochschule (Uniwersytet Przyrodniczy) erstellt. Der hauptverantwortliche Vogelkundler Professor Tryjanowski war ebenso wie Herr Nowak aktives Mitglied der Naturschutzstiftung, die Nowak und seine Söhne selbst gegründet haben. Man kannte und verstand sich also gut. 


Die Naturschützer laufen seit dem Bekanntwerden Sturm gegen dieses Bauvorhaben, das als Luxusimmobilie vermarktet wird.










  

Die politischen Parteien als Unternehmer

Von Aleksandra Fedorska


Die politischen Parteien sprechen lieber über die großen Ziele ihrer Politik als über das Kleingedruckte. Der Teufel steckt allzu gern im Detail. Die alte Weisheit, dass man über das liebe Geld nicht spricht, ist bis heute gültig. 

Die Finanzierung der politischen Parteien in Deutschland ist eine breite Kombination unterschiedlicher Finanzierungsformen. Dabei sind die Mitgliederbeiträge die tragende und traditionsreichste Säule der Parteienfinanzierung. Diese Finanzierungsform macht 27% der durchschnittlichen Jahreshaushalte der politischen Parteien aus. Insbesondere Linke und SPD finanzieren sich zu über 30% aus den Beträgen ihrer Mitglieder. Das Schlusslicht bildet die CSU, die 21% ihres Budgets von ihren Mitgliedern bekommt. 

Die Mandatsangaben, die die Mandatsträger an ihre Parteien zahlen, sind die zweitwichtigste und eine kaum bekannte Finanzierungsform politischer Parteien in Deutschland. Besonders prominente Parteienspenden von Unternehmen und Privatpersonen gehören ebenfalls zu den Fundamenten der Parteienfinanzierung. Schließlich trägt die gesamte Gesellschaft auf dem Wege der öffentlichen Finanzierung zum Parteienwettbewerb in Deutschland bei. Zusätzlich zu diesen herkömmlichen Finanzierungsmöglichkeiten gehen politische Parteien eigenen wirtschaftlichen Betätigungen nach. Politische Parteien sind als Vermieter, Werbeflächenanbieter, Verleger, Hotelier und Fanshopbetreiber weniger bekannt, jedoch erstaunlich erfolgreich.

Die Sozialdemokraten nehmen bei der Unternehmenstätigkeit der politischen Parteien eine Spitzenposition ein. Die Sozialdemokratische Partei hielt im Jahr 2005 an insgesamt 40 Medienunternehmen die vollen Besitzrechte, darunter an der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (DDVG) mit über 12 000 000 Euro Jahresergebnis. Die DDVG ist das größte parteieigene Medienunternehmen in Deutschland. Die Konzentration GmbH, die das Immobilienvermögen der SPD verwaltet, ist das zweitgrößte parteieigene Unternehmen. Die SPD beteiligt sich an 25 Unternehmen, darunter bekannte und große Firmen wie der Medizintechnikhersteller Dräger aus Lübeck. Der Anteil der Parteienfinanzierung aus Unternehmenstätigkeit erreicht bei der SPD bei guten konjunkturellen Bedingungen bis über 20% des gesamten jährlichen Budgets.

Die Christdemokraten setzen hingegen auf lokale und überregionale Verlage und Druckereien. Das umsatzstärkste Unternehmen der CDU ist die Union Berlin GmbH. Die Landesverbände der CDU verfügen über eigenes Haus- und Grundvermögen mit insgesamt 60 – 80 Immobilien. Im Jahr 2008 besaß die CDU insgesamt 11 Firmen. Seit 2010 reduzierte die CDU den Bestand auf 8 Firmen. Der Anteil der Finanzierung aus eigener Geschäftstätigkeit entspricht bei den Christdemokraten im Durchschnitt rund 13% im Jahr. 

Die CSU haben bei der unternehmerischen Tätigkeit seit Anfang der 2000er Jahre eine klare Strategie und setzen auf das Parteiensponsoring. Eine eigene Werbeagentur, die Bavaria Werbe- und Wirtschaftsdienste GmbH, vermarktet und vermittelt Werbeflächen bei Parteienevents der Christdemokraten an externe Firmen und Unternehmen, die diese zu Werbezwecken nutzen. Die Christsozialen nehmen mit ihrer Unternehmensstrategie bis zu 20% ihres jährlichen Haushalts ein. 

Die Freien Demokraten sind hauptsächlich im Bereich der Finanzverwaltungs- und Verlagsbranche tätig. Die Anzahl der vielseitigen Beteiligungen reicht nicht über 20 Unternehmen hinaus. Gleichzeitig weist sie einen internationalen Charakter auf, da sich die FDP an international agierenden Unternehmen und Verlagen im europäischen Ausland beteiligt. Die jährlichen Einnahmen aus Unternehmenstätigkeit der FDP entsprechen durchschnittlich 12% des Jahresetats.

Die Grünen besitzen keine parteieigenen Unternehmen. Sie beteiligen sich aber geringfügig an Solar- und Ökologieprojekten. Die prozentual höchste Beteiligung betrug 3,37%. Die Anzahl der Beteiligung variiert jährlich zwischen 10 – 20 Projektbeteiligungen. Außerdem betreiben die Grünen einen erfolgreichen Fanshop ihrer Partei. Die Grünen sind die einzige politische Partei, die ihre Sponsoren und die Sponsorengelder öffentlich bekannt gibt, weshalb Parteiensponsoring im Falle der Grünen relativ unbedeutend ist. Der Anteil der eigenen Geschäftsleistung an der Finanzierung der Partei ist jedoch sehr gering und beträgt weniger als 5% im Jahr.

Die Vermögensgrundlagen der Linken bezog die Partei aus der Auflösung der treuhänderischen Verwaltung der PDS (Partei des deutschen Sozialismus), deren Rechtsnachfolgerin sie ist; darunter ein Berliner Verlag und die FEVAC (Föderative Verlags-, Consulting und Handelsgesellschaft mbH). Die FEVAC hält mehrere Beteiligungen u.a. auch an dem Hotel „Am Wald“ in Thüringen. Zu diesen Beteiligungen gehört die Media Service GmbH Druck und Kommunikation, die den Fanshop der Linken betreibt. Die Gewinne und Erträge betragen bei der Linken jährlich weniger als 5%.

Im Vergleich der wirtschaftlichen Tätigkeit der politischen Parteien fällt deutlich auf, dass das Parteiensponsoring den größten Anteil an diesen Einnahmen einnimmt. Gleichzeitig ist die Gewichtung des Parteiensponsorings im Verhältnis zu den anderen Einnahmeformen gerade bei der CSU besonders auffällig. Wird vor diesem Hintergrund die Entwicklung der Mitgliederzahlen bei der CSU herangezogen, so ist hier ein deutlicher Rückgang seit 2016 um 7% zu verzeichnen. Weniger Mitglieder bedeuten weniger Mitgliederbeiträge. Eigene wirtschaftliche Tätigkeit, wie das profitable Parteiensponsoring, ist aus der Perspektive der CSU geradezu eine Notwendigkeit geworden. Ähnlich starke Einschnitte bei der Mitgliederzahl gab es in den Jahren 2005-2010 bei der SPD. Während binnen der selben Zeitperiode die Mitgliedszahlen der FDP, der Grünen und der Linken zugenommen haben. Es ist nicht auszuschließen, dass politische Parteien mit deutlichen Verlusten ihrer Mitgliederzahlen ihre Finanzen anteilig in Richtung der wirtschaftlichen Tätigkeit verlagern werden. 

Ökologische Landwirtschaft und Bioprodukte in Polen

Der Artikel basiert auf dem Text meines schwedisch-polnischen Kollegen T. Rawa


  

Ökologische Landwirtschaft in Polen – von null auf hundert in wenigen Jahren


Eine kleine Verkaufsbude in der Lubliner Innenstadt wird jeden Samstag zum Mekka für Fans gesunder und ökologischer Lebensmittel. 


Dieser im Südosten Polens gelegene Öko-Hotspot wird von acht Landwirten aus der Region betrieben. Hier verkaufen sie ihr Gemüse, Früchte, Säfte, Milchprodukte und die beliebten sauren Gurken in Anlehnung an die saisonale Abfolge.

Einer der Landwirte, Ireneusz Mazurek, bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Ehefrau Monika einen 9 ha großen Biobauernhof rund 30 Kilometer östlich von Lublin. 

”Wir verwenden weder Kunstdünger noch andere chemische Mittel, alles nach dem Öko-Zertifikat der Europäischen Union”, so Ireneusz, ”unser Hof bildet einen eigenen Produktionkreislauf, den wir genau im Auge behalten.”

Die ökologische Landwirtschaft, wie Ireneusz und seine Lubliner Kollegen sie betreiben, ist in Polen gewissermaßen eine Zeitreise. Noch in den 1960er Jahren sah die polnische Landwirtschaft nahezu vollständig so aus wie Ireneusz und Monika sie heute wiederaufleben lassen. 

Auf dem Hof von Ireneusz und Monika gibt es lediglich drei Milchkühe und vier Schweine. Die Tiere werden mit Klee und Luzerne von den eigenen Wiesen gefüttert. Das auf den Feldern angebaute Getreide wird zur Hälfte für die hofeigene Bäckerei verwendet. Der Rest ist für das Vieh bestimmt. Aus der Milch wird der leckere polnische Hüttenkäse gefertigt. Das Obst wird zu Saft und Brotaufstrich verarbeitet. Das Wurzelgemüse, der Kürbis, der Kohl und sonstiges Gemüse kommen aus dem eigenen Garten.

„Die Produkte, die wir ernten, verkaufen wir samstags an unserem Stand in Lublin“, erklärt Ireneusz, „dann haben wir noch Kunden, die wir direkt beliefern. Fleisch verkaufen wir nicht, das verbrauchen wir selbst.“ 

Ireneusz und Monika bewirtschaften den Biohof seit 15 Jahren. Die Zertifikate für den ökologischen Anbau werden von rund zehn Anbietern verliehen. Jeder Biobauer entscheidet selbst, wo er sich zertifizieren lassen möchte. Die Umstellung auf die ökologische Landwirtschaft dauert im Regelfall zwei bis drei Jahre. Die staatliche Kontrollbehörde führt jedes Jahr gezielte Prüfungen der Biohöfe durch. Dabei sind unangemeldete Kontrollen nicht unüblich.

Die Subventionen der Europäischen Union für den ökologischen Anbau belaufen sich auf rund 200 Euro je Hektar. Weitere Zuzahlungen entsprechen etwa 80 – 120 Euro pro Hektar -  in Abhängigkeit davon, ob es sich um Wiesen, Gärten oder Acker handelt. 

Die polnische Ökobranche begann ganz bescheiden in den 1990er Jahren. Heute hingegen gehören die ökologische Tierzucht, ökologischer Anbau von Gemüse, Obst und Getreide sowie die Im- und Exportstrukturen für ökologische Produkte aus Polen zu den wachstumsstärksten Wirtschaftsbereichen. Entscheidend hierfür war das Umdenken der polnischen Verbraucher, die immer öfter zu ökologischen Lebensmitteln greifen. Hinzu kommt die erfolgreiche Ausfuhr dieser Produkte, die von einer wachsenden Nachfrage im Ausland zeugt. Schließlich haben aber auch die EU-Subventionen nach dem Beitritt Polens im Jahr 2004 zum Erfolg der polnischen Biolandwirtschaft beigetragen. 

Die ökologische Landwirtschaft in Polen konzentriert sich vor allem auf den Pflanzenanbau – Getreide (Weizen, Gerste, Hafer, Hirse, Buchweizen), Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Kräuter und Honig. Die Molkereiprodukte werden überwiegend aus Kuhmilch hergestellt, wobei die Verwendung von Ziegen- und Schafsmilch inzwischen immer wichtiger wird. Die Initiative für die Umstellung auf Biomilchprodukte geht immer häufiger von den Molkereibetrieben aus. Stellvertretend hierfür sind einige größere Betriebe, die ihre Milchbauern davon überzeugt haben, dass eine ökologische Milchwirtschaft bessere Zukunft- und Entwicklungschancen verspricht. 

Die gesamte Fläche der ökologischen Landwirtschaft in Polen beträgt aktuell mehr als ein halbe Million Hektar. Damit ist Polen heute einer der europäischen Spitzenreiter. Es sind rund 400 Betriebe, die sich auf die ökologischen Herstellungs- und Anbaumethoden spezialisiert haben. Darüber hinaus entstanden zahlreiche Großhändler- und Exportbetriebe, die sich mit dem Handel mit ökologischen Produkten beschäftigen. Der Trend geht hier klar in Richtung traditioneller Herstellung regionalbezogener Produkte und lokaler Vertriebsstrukturen. 

Es sind die kleinen Familienbetriebe, die ökologische Landwirtschaft in Polen ausmachen. Ein durchschnittlicher Biohof ist etwa 22 Hektar groß, während konventionelle Landwirtschaftsbetriebe über Flächen von mehr als 10 Hektar verfügen. 

Die ökologischen Produkte werden vor allem in den polnischen Großstädten nachgefragt, insbesondere in Warszawa – sagt Karol Przybylak, der Herausgeber der Zeitschrift Biokurier, die sich ausschließlich ökologischen Lebensmitteln widmet – von den rund 1000 Lebensmittelgeschäften für Bioprodukte landesweit,  befinden sich allein 180 in der Hauptstadt. Darüber hinaus haben die herkömmlichen Supermärkte inzwischen ausnahmslos Abteilungen für Bioartikel eingeführt. Schließlich nimmt die Popularität vegetarischer und veganer Küche deutlich zu, was weitere Wachstumsmöglichkeiten für ökologisch angebaute Produkte bietet.

Gerade in den Großstädten gibt es immer mehr Konsumkooperativen. Die Verbraucher lernen sich in der Regel über die Sozialen Netzwerke kennen und entscheiden sich für gemeinsame Einkäufe bei Biobauern in der Region. 

Der kleine Biohof von Ireneusz und Monika Mazurek ermöglicht der Familie ein bescheidenes Einkommen. Als Ireneusz nach seiner Motivation gefragt wird, sagt er ohne zu zögern: 

”Meine Motivation ist mein Herzensanliegen. Es geht mir darum, die Natur und unsere Erde zu schüzen. Vielleicht klingt es hochgestochen, aber genau so ist es.”

Text und Fotos: Tadeusz Rawa